Spyware ist bösartige Software, die ohne Wissen oder Zustimmung der Nutzer auf einem Computer oder Mobiltelefon installiert wird, Daten wie Webaktivitäten, Tastenanschläge und Bildschirmaufnahmen sammelt und an den Urheber oder an Dritte weiterleitet.
Auf einen Blick
Spyware kann auch den Zugriff auf Mikrofon und Kamera eines Geräts ermöglichen.
Laut BSI ist die fließende Grenze zwischen Adware und Spyware spätestens dann überschritten, wenn ein Zusatzprogramm heimlich auch Informationen über Systemkonfigurationen und Surfgewohnheiten erfasst.
Auf Smartphones kann der Akkuverbrauch ein Indiz für einen Spionage-Angriff sein, denn eine dauerhaft aktive Spionage-App verbraucht Strom und Datenvolumen.
Was ist Spyware?
Spyware kann im Hintergrund arbeiten und dabei Prozessorleistung und Arbeitsspeicher verbrauchen. Auf einem Computer sammelt sie Daten, darunter Webaktivitäten, Bildschirmaufnahmen und Tastenanschläge; die gestohlenen Daten werden an den Urheber der Spyware gesendet und können direkt verwendet oder an Dritte verkauft werden. Auf Tablets und Smartphones kann mobile Spyware die Aktivitäten des Geräts überwachen, den Standort aufspüren, Telefonanrufe aufzeichnen, E-Mails und Texte abfangen, Browsing-Aktivitäten und Tastenanschläge protokollieren und sensible Daten stehlen. Das englische „Spy“ steht für Spion, und laut BSI herrscht an ausspionierten Nutzerdaten in der Werbewirtschaft ein ständig wachsender Bedarf.
Gelangt Spyware auf das Gerät eines Mitarbeiters eines Versicherers, zeichnet sie heimlich das Verhalten oder die Daten des Nutzers auf und leitet diese ohne dessen Wissen an Dritte weiter. Welche Daten konkret abfließen, unterscheidet sich je nach Gerät und Art der Spyware: Auf Computern sind es etwa Webaktivitäten, Bildschirmaufnahmen und Tastenanschläge, auf Smartphones zusätzlich Standort, Telefonanrufe und Nachrichten. Die Weitergabe an Dritte geschieht ohne Wissen der Betroffenen und kann bis zum Verkauf der gestohlenen Daten reichen.
Wie funktioniert Spyware?
Spyware kann über ein App-Installationspaket, Dateianhänge, Links, schädliche Websites oder Software-Schwachstellen auf einen Computer oder ein Mobiltelefon gelangen. Manche mobile Spyware kann über infizierte SMS oder MMS auf ein Gerät gelangen und erfordert dann keine Benutzerinteraktion zur Ausführung von Befehlen. Nach der Infektion sammelt die Software Daten und sendet sie an den Urheber; eine übermäßige Netzwerknutzung oder eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Verbindungen kann darauf hindeuten, dass Spyware Informationen sendet oder das System aus der Ferne kontrolliert.
Unbefugte können mobile Spyware auch manuell auf dem Gerät installieren, um dessen Nutzer zu überwachen. Unter Android können einige Spionage-Apps die Deinstallation verweigern, solange sie als Geräteadministrator eingetragen sind. Bei iPhones ist ein Jailbreak ein Prüfpunkt, denn er setzt wichtige Sicherheitsmechanismen außer Kraft. Adware kommt laut BSI oft im Schlepptau kostenloser Shareware- und Freeware-Angebote auf den Rechner; erfasst ein solches Zusatzprogramm heimlich auch Informationen über Systemkonfigurationen und Surfgewohnheiten, ist die fließende Grenze zwischen Adware und Spyware überschritten.
Woran erkenne ich Spyware?
| Signal | Woran erkennbar |
|---|---|
| Übermäßige Netzwerknutzung oder Anzahl der Verbindungen | Kann bedeuten, dass Spyware Informationen an den Urheber sendet oder das System aus der Ferne kontrolliert. |
| Starker Akkuverbrauch ohne intensive Nutzung (Smartphone) | Kann auf ein Sicherheitsproblem hindeuten; eine dauerhaft aktive Spionage-App verbraucht Strom und Datenvolumen. |
| App mit zulässigen Fremdquellen (Android) | Ist in den Android-Einstellungen bei einer App die Installation aus Fremdquellen zulässig, kann das ein Indiz für einen Spionage-Angriff sein; in diesem Fall ist die Quelle der App genauer zu prüfen. |
| App lässt sich nicht deinstallieren (Android) | Einige Spionage-Apps können die Deinstallation verweigern, solange sie als Geräteadministrator eingetragen sind. |
| Per Jailbreak manipuliertes iPhone | Ein Jailbreak setzt wichtige Sicherheitsmechanismen außer Kraft; bei Verdacht auf einen Spionage-Angriff ist deshalb zu prüfen, ob das iPhone per Jailbreak manipuliert wurde. Ein fehlender Jailbreak schließt Spyware jedoch nicht aus: Kommerzielle Spionage-Software kann auf Daten in der iCloud zugreifen, wenn sie Zugriff auf den Apple-Account des Besitzers erlangt. |
Schutz im Ernstfall
Vorbeugen
- Per Richtlinie festlegen, dass Software nur aus vertrauenswürdigen Quellen heruntergeladen wird, alle Hinweise bei der Installation gelesen und Interaktionen mit Pop-up-Anzeigen vermieden werden; Browser, Betriebssysteme und Anwendungssoftware mit Updates und Patches aktuell halten, da Spyware auch über Software-Schwachstellen auf Geräte gelangen kann.
- Ad-Blocker einsetzen; laut BSI sind sie eine wichtige Maßnahme zum Schutz vor Angriffen durch Schadprogramme, die über extern eingebettete Werbeeinblendungen erfolgen.
- Unerwartete E-Mail-Anhänge und Links nicht ungeprüft öffnen, auch bei bekannten Absendern; Spyware kann über Dateianhänge und Links auf Geräte gelangen.
Was tun im Ernstfall
- Das betroffene Gerät vom Netzwerk trennen, zunächst also die Internetverbindung unterbrechen.
- Den Verdacht sofort der IT-Sicherheit melden, bevor etwas selbst deinstalliert oder bereinigt wird.
- Zugangsdaten, die auf dem betroffenen Gerät verwendet wurden, sofort und von einem nicht betroffenen Gerät aus ändern und bis zur Bereinigung nicht mehr auf dem betroffenen Gerät eingeben, damit ein möglicherweise installierter Keylogger die neuen Passwörter nicht erfährt.
- Das Gerät durch die IT-Sicherheit untersuchen lassen; falls ein Zurücksetzen erforderlich ist, zuvor benötigte Daten nach Prüfung und gemäß den IT-Sicherheitsvorgaben sichern. Anschließend das Gerät neu aufsetzen lassen, ein Smartphone auf Werkseinstellungen zurücksetzen lassen. Nur geprüfte Daten wiederherstellen.
Beispiele aus der Praxis
- Die Spionagesoftware Pegasus der NSO Group wurde laut dem Recherchenetzwerk Forbidden Stories nicht nur gegen Kriminelle eingesetzt, sondern auch gegen Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Führungskräfte, Militärangehörige und Politiker; das Mobile Verification Toolkit (MVT) von Amnesty International untersucht Android- und iOS-Geräte nach Spuren dieser Spyware.
- Spyware, die etwa von eifersüchtigen Ehepartnern, Ex-Partnern und sogar besorgten Eltern heimlich auf Mobiltelefonen installiert wird, kann den Standort des Opfers verfolgen, E-Mails und Texte abfangen, Telefongespräche abhören und aufzeichnen sowie auf Fotos und Videos zugreifen.
- Die Spionage-Pakete mSpy und FlexiSpy nutzten in einer Untersuchung unter Android keine besonderen Root-Tricks, um sich zu verstecken.
- Ein Gerät eines Mitarbeiters eines Versicherers, auf dem Spyware läuft, gibt das Verhalten oder die Daten des Nutzers heimlich an Dritte weiter, ohne dass dieser davon weiß.
Die Varianten im Detail (1)
Webcam-Hijacking Webcam-Hijacking ist die unbefugte Übernahme der Kamera eines Geräts durch Schadsoftware.
Angreifer aktivieren die Kamera aus der Ferne, meist ohne Hinweis für die Nutzer, und zeichnen Bilder oder Videos auf. Die Aufnahmen können für Ausspähung oder Erpressung verwendet werden.