NjRAT ist ein für Windows entwickelter Remote Access Trojaner (RAT), also ein Schadprogramm, mit dem ein Angreifer einen kompromittierten Rechner aus der Ferne steuern und darauf Befehle ausführen kann.
Auf einen Blick
Weil der Quellcode online geleakt wurde, können Bedrohungsakteure die Malware an eigene Zwecke anpassen.
Die Verbreitung kann über Phishing-E-Mails, Drive-by-Downloads und USB-Autorun-Exploits erfolgen.
Zur Tarnung kann die Malware Namen echter Windows-Dateien kopieren und Code in Prozesse wie svchost.exe einschleusen.
Was ist NjRAT?
NjRAT ist ein Fernzugriffswerkzeug, dessen Quellcode online veröffentlicht wurde und das Bedrohungsakteure deshalb an eigene Zwecke anpassen können. Ein RAT erlaubt es einem Angreifer außerdem, auf dem kompromittierten Computer verschiedene Aktionen auszuführen. Weil der Quellcode online geleakt wurde, gilt NjRAT als sogenanntes Commodity-RAT, und Bedrohungsakteure im Nahen Osten haben die Malware eingesetzt. Die Malware wird zudem als Bladabindi und LV geführt; Njw0rm wird in einigen Quellen als spätere Variante beschrieben, die sich zusätzlich selbstständig über USB-Laufwerke weiterverbreiten kann. Zu den Funktionen zählen Keylogging, Zugriff auf Mikrofon und Webcam, der Diebstahl von Zugangsdaten und die Dateiverwaltung. Auch Kryptowährungen können damit gestohlen werden.
Gelangt NjRAT auf einen Windows-Rechner eines Versicherers, kann der Angreifer das System fernsteuern, Tastatureingaben aufzeichnen, Zugangsdaten stehlen, Dateien übertragen und Webcam oder Mikrofon aktivieren. Die Verbreitung kann über Phishing-E-Mails, Drive-by-Downloads und USB-Autorun-Exploits erfolgen. Gestohlene Informationen, Screenshots und weitere Systemdaten gehen dabei über die Command-and-Control-Infrastruktur an den Angreifer. Eine dokumentierte Kampagne verwendete NjRAT als letzte Nutzlast, mit der Angreifer unter anderem Screenshots erstellen, eine Reverse Shell öffnen sowie Prozesse, Registry und Dateien manipulieren konnten.
Wie funktioniert NjRAT?
NjRAT tarnt sich nach der Infektion auf dem Windows-Rechner und stellt dem Angreifer Funktionen für die Fernsteuerung zur Verfügung. Die Malware kann die Namen echter Windows-Dateien kopieren, um unentdeckt zu bleiben, und Code in reguläre Windows-Prozesse wie svchost.exe einschleusen. Zusätzlich kann sie die Windows-Firewall so ändern, dass sie selbst kommunizieren darf. Verteilt wurde die Malware unter anderem über Spam-E-Mails mit gefälschten Zahlungsbelegen, Rechnungen und Angebotsanfragen; der Zugriff kann auch über eine Sicherheitslücke oder Wechselmedien wie USB-Laufwerke erfolgen.
Anschließend führt die Malware Befehle auf dem infizierten Rechner aus, zeichnet Tastatureingaben auf und kann in Webbrowsern gespeicherte Passwörter auslesen. Über ein Dateiverwaltungsmodul lässt sich das Dateisystem durchsuchen; Screenshots und weitere Systeminformationen werden an die Infrastruktur des Angreifers übertragen. Je nach Kampagne unterscheidet sich der Weg: In einer dokumentierten Kampagne lud ein verschleiertes VBS-Skript die Malware von einem kompromittierten oder gefälschten Host nach.
Woran erkenne ich NjRAT?
| Signal | Woran erkennbar |
|---|---|
| Hohe CPU- oder Speicherauslastung | Bei der als Trojan:MSIL/NjRat.PSA!MTB erkannten Variante belastet ein Hintergrundprozess mit nachgemachtem Systemdateinamen wie svchos.exe CPU und Arbeitsspeicher. |
| Fehlschlagende Windows-Updates | Bei der als Trojan:MSIL/NjRat.PSA!MTB erkannten Variante scheitern Windows-Updates, weil update.microsoft.com auf 127.0.0.1 umgeleitet wird. |
| Webcam-Aktivierung oder gefälschte Anmeldefenster | Die Webcam kann ohne Anlass aktiviert werden; bei der als Trojan:MSIL/NjRat.PSA!MTB erkannten Variante können zudem gefälschte Anmeldefenster erscheinen, die Bankseiten nachahmen. |
| Detektionsname der Schutzsoftware | Schutzprogramme melden die Malware unter Namen wie MSIL/Bladabindi; das Suffix !MTB kennzeichnet bei Microsoft Defender eine Verhaltenserkennung. |
Schutz im Ernstfall
Vorbeugen
- Autorun für USB-Geräte deaktivieren.
- Updates für Windows, Browser und .NET-Frameworks priorisieren, damit Angriffswege über Sicherheitslücken geschlossen werden; Sicherheitslösungen aktuell halten.
- Mehrfaktor-Authentifizierung durchsetzen.
- Unerwartete Anhänge und Links in E-Mails nicht öffnen, auch bei bekannten Absendern.
Was tun im Ernstfall
- Das betroffene Gerät vom Netzwerk trennen.
- Den Vorfall sofort der IT-Sicherheit melden.
- Zugangsdaten, die auf dem Rechner verwendet wurden, sofort ändern, und zwar von einem nicht betroffenen Gerät aus.
- Das System durch die IT-Sicherheit analysieren und neu aufsetzen lassen; Daten erst danach aus Sicherungen, die vor der Infektion erstellt wurden, wiederherstellen.
Beispiele aus der Praxis
- Eine Kampagne, die seit mindestens Mitte 2022 aktiv war, verteilte NjRAT mit Ködern zu geopolitischen Themen des Nahen Ostens an Opfer im Nahen Osten und in Nordafrika.
- Die Variante Njw0rm, die einige Quellen als spätere Variante von NjRAT beschreiben, kann sich zusätzlich selbstständig über Wechseldatenträger wie USB-Laufwerke weiterverbreiten.
- Eine Anpassung des NjRAT-Quellcodes in .NET diente in Brasilien als Grundlage eines Banking-Trojaners, der in gezielten Kampagnen gegen Unternehmensnutzer eingesetzt wurde.
- Auf dem Windows-Rechner eines Versicherers kann NjRAT dem Angreifer Fernsteuerung, Keylogging, Dateizugriff sowie den Zugriff auf Webcam und Mikrofon eröffnen.