Definition

Desinformation ist die absichtliche Erstellung und Verbreitung falscher oder irreführender Informationen mit dem Ziel, Meinungen, Entscheidungen oder Handlungen von Personen, Unternehmen oder Organisationen gezielt zu beeinflussen und zu steuern.

Auf einen Blick

Von Misinformation unterscheidet sich Desinformation im Wesentlichen durch die Täuschungsabsicht, nicht durch den Wahrheitsgehalt der Aussage selbst.

Form und Verbreitungstempo liefern Hinweise, reichen allein aber nicht aus, um einen manipulierten Inhalt in sozialen Netzwerken sicher von einer echten Meldung zu unterscheiden.

Rein technische Filterung erkennt Desinformation kaum zuverlässig, zumal KI-Sprachmodelle laut BSI dabei unterstützen können, Falschnachrichten noch glaubwürdiger darzustellen.

Was ist Desinformation?

Desinformation bezeichnet die absichtliche Erstellung und Verbreitung falscher oder irreführender Informationen mit dem Ziel, Meinungen, Entscheidungen oder Handlungen zu beeinflussen. Anders als ein unbeabsichtigter Irrtum beginnt sie mit einer bewussten Entscheidung, Fakten zu verzerren oder frei zu erfinden. Wird sie im Social Engineering eingesetzt, wirkt sie über ähnliche Hebel wie Phishing: Autorität, Dringlichkeit und emotionale Aktivierung sollen kritisches Prüfen unterlaufen. Ein glaubwürdig wirkender Absender oder ein vermeintlich amtlicher Anlass verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Mit Hilfe generativer KI lassen sich inzwischen ohne große Hürden gefälschte Ton-, Bild- und Videoaufzeichnungen erstellen, sogenannte Deepfakes.

Gefälschte Meldungen über eine angebliche Insolvenz oder ein Datenleck eines Versicherers können Kunden und Mitarbeiter zu unüberlegten Handlungen bewegen, etwa zu vorschnellen Vertragskündigungen. Solche Falschmeldungen entfalten ihre Wirkung besonders dort, wo ein direkter Rückkanal zur offiziellen Unternehmenskommunikation fehlt und Betroffene die Meldung nicht rasch verifizieren können. Weichen die Inhalte sprachlich kaum von echten Mitteilungen ab, kann bereits eine einzelne glaubwürdig wirkende Quelle eine Kettenreaktion in sozialen Netzwerken auslösen. Awareness-Schulungen, verbindliche Verifikationskanäle und ein vorbereiteter Krisenkommunikationsprozess mindern dieses Risiko.

Wie funktioniert Desinformation?

Desinformation wirkt häufig, indem sie gezielt psychologische Trigger wie Autorität, Dringlichkeit und emotionale Aktivierung anspricht, um kritisches Prüfen zu unterlaufen. Ein glaubwürdig wirkender Absender oder eine vermeintlich amtliche Quelle verleiht dem Inhalt zusätzliches Gewicht, während eine zeitlich zugespitzte Formulierung schnelles Handeln vor sorgfältiger Prüfung nahelegt. Knüpft die Aussage an eine bestehende Sorge oder Erwartung der Zielgruppe an, sinkt zusätzlich die Bereitschaft, den Inhalt vor dem Weiterleiten zu hinterfragen.

Die Verbreitung erfolgt häufig über mehrere Kanäle gleichzeitig, sodass derselbe Inhalt auf unabhängig wirkenden Quellen erscheint und dadurch zusätzliche Glaubwürdigkeit gewinnt. Fake Accounts und Social Bots können die Inhalte dabei automatisiert und systematisch verbreiten, künstlich Reichweite erzeugen und so Glaubwürdigkeit vortäuschen. In sozialen Medien kann sich Desinformation besonders schnell verbreiten, weil deren Funktionsweise auf dem Teilen und Verbreiten von Beiträgen beruht. Das Zusammenspiel aus mehreren scheinbar unabhängigen Quellen und der emotionalen Zuspitzung kann den Inhalt für die Zielgruppe zusätzlich schwer überprüfbar und entsprechend wirksam machen.

Woran erkenne ich Desinformation?

Signal Woran erkennbar
Fehlende überprüfbare Erstquelle Die Meldung verweist auf keine nachvollziehbare Original-Pressemitteilung oder Behördenquelle
Ungewöhnliches Verbreitungstempo Der Inhalt taucht zeitgleich auf mehreren unabhängig wirkenden Kanälen mit nahezu identischem Wortlaut auf
Emotionale Zuspitzung Die Formulierung setzt auf Angst, Dringlichkeit oder Empörung statt auf sachliche Darstellung
Fehlender Rückkanal Der angebliche Absender lässt sich nicht direkt kontaktieren oder verifizieren

Schutz im Ernstfall

Vorbeugen

  • Verbindliche Rückkanäle zur Verifikation von Meldungen vor Weiterleitung einrichten
  • Mitarbeiter und Kunden in Awareness-Schulungen für Erkennungsmerkmale sensibilisieren
  • Offizielle Kommunikationskanäle vorab bekannt machen, damit Falschmeldungen erkennbar abweichen

Was tun im Ernstfall

  • Meldung vor Weiterverbreitung über den offiziellen Kanal des Unternehmens verifizieren
  • Betroffene Zielgruppen zeitnah über den vorbereiteten Krisenkommunikationsprozess informieren
  • Falschmeldung bei der jeweiligen Plattform zur Löschung oder Kennzeichnung melden

Beispiele aus der Praxis

  • Eine gefälschte Stimme im CEO-Fraud-Stil, flankiert von erfundenen Pressemeldungen, kann die Glaubwürdigkeit einer betrügerischen Zahlungsanweisung erhöhen.
  • Koordinierte Falschmeldungen über einen angeblichen Bankenrun verbreiten sich gezielt über soziale Netzwerke, um überstürzte Abhebungen auszulösen.
  • Eine erfundene Meldung über ein angebliches Datenleck bei einem Unternehmen bewegt Beschäftigte dazu, unautorisierte Sicherheitsmaßnahmen ohne Rückfrage umzusetzen.
  • Gefälschte Meldungen über eine angebliche Insolvenz oder ein Datenleck eines Versicherers können Kunden und Mitarbeiter zu unüberlegten Handlungen bewegen, etwa zu vorschnellen Vertragskündigungen.

Die Varianten im Detail (1)

Online-Desinformation Online-Desinformation bezeichnet falsche oder irreführende Inhalte, die über digitale Kanäle gezielt verbreitet werden.

Verbreitungswege sind soziale Netzwerke, Messenger, Webseiten und gefälschte Profile. Automatisierte Konten und manipulierte Inhalte vergrößern die Reichweite, wodurch sich Falschinformationen schneller verbreiten als Richtigstellungen.

Häufiger Irrtum

Mythos „Desinformation lässt sich zuverlässig an schlechter Grammatik oder offensichtlichen Fehlern erkennen.“

Richtig Laut BSI lassen sich mit KI-Sprachmodellen Falschnachrichten glaubwürdiger darstellen und E-Mails auch ohne gute Kenntnisse der jeweiligen Sprache verfassen.